29. März 2021

"Ihr leistet einen ganz wesentlichen Beitrag - und das ehrenamtliche Tun wird nach der Pandemie ein Konjunkturhoch erleben" so die Landehauptfrau.

Die aktuelle Situation der Blaulicht- und Einsatzorganisationen sowie die Perspektiven in der Zeit der Corona-Pandemie standen im Zentrum eines Online-Gipfels mit Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf. Online zugeschaltet waren dabei Vertreterinnen und Vertreter des NÖ Landesfeuerwehrverbandes, des Roten Kreuzes Niederösterreich, des NÖ Zivilschutzverbandes, der Wasserrettung Niederösterreich, des Bergrettungsdienstes Niederösterreich/Wien, des Arbeitersamariterbundes Niederösterreich, der Johanniter-Unfall-Hilfe, des Landesverbandes für Höhlenrettung in Niederösterreich, der niederösterreichischen Landesgruppe der Österreichischen Rettungshundebrigade sowie der Rettungshunde Niederösterreich. Moderiert wurde das virtuelle Zusammentreffen durch den Geschäftsführer der Kultur.Region.Niederösterreich, Martin Lammerhuber.

„Ihr leistet einen ganz wesentlichen Beitrag“, dankte die Landeshauptfrau den Einsatzorganisationen zunächst für ihre Arbeit zur Bewältigung der Corona-Krise. Es sei in dieser Zeit „nicht nur eine Pandemie zu stemmen“, sondern es seien auch Katastrophen und Unfälle zu bewältigen, verwies sie etwa auf den jüngsten Einsatz der Bergrettung am Ötscher.

Die Situation sei angespannt, „aber miteinander werden wir es schaffen“, zeigte sich LH-Stellvertreter Pernkopf zuversichtlich.

Die Aufrechterhaltung der Einsatzbereitschaft in Corona-Zeiten stehe für die Feuerwehren besonders im Fokus, sagte Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner in seiner Wortmeldung: „Das Einsatzgeschehen ist stärker geworden, aber es ist uns gelungen, die Einsatzbereitschaft aufrecht zu erhalten.“ Die Jugendarbeit musste aufgrund der Pandemiesituation zurückgestellt werden. „Ich sehe auch ein gesellschaftspolitisches Problem. Wir merken eine Entfremdung und hoffen, dass wir nicht auf Grund anderer Aktivitäten Freiwillige verlieren“.

Von einer „höchst motivierten Mannschaft“, berichtete auch der Präsident des Roten Kreuzes Niederösterreich, Josef Schmoll. Neben den Testungen und Impfungen seien vor allem auch die „mittlerweile über 40.000 COVID-Transporte“, die mit einem erheblichen Mehraufwand verbunden seien, eine besondere Herausforderung.

Der Präsident der Johanniter-Unfall-Hilfe in Österreich, Johannes Bucher, sieht einen von Corona ausgelösten „Motivationsschwung“. Es seien gerade junge Leute, die die Sozialkontakte vermissten und jetzt verstärkt Dienste machten.

Der Präsident des Arbeitersamariterbundes Niederösterreich, Otto Pendl, bedankte sich bei allen Einsatzorganisationen und beim Land für die gute Zusammenarbeit: „Unser aller Dank gehört auch jenen Helferinnen und Helfern, die permanent und rund um die Uhr im Einsatz stehen.“ Grund für die erfolgreiche Arbeit sei die Lösungskompetenz und -orientierung bei allen Beteiligten!

Christoph Kainz, der Präsident des NÖ Zivilschutzverbandes, dankte und gratulierte der „blau-gelben Sicherheitsfamilie“, die „seit mehr als einem Jahr gemeinsam mit den Gemeinden und Städten Unglaubliches leistet. Das Projekt „Füreinander Niederösterreich“ war ein starkes Signal der Zivilgesellschaft, es zeigt, wenn es klare Strukturen gibt, ist die Bereitschaft, zum ehrenamtlichen Engagement in der heutigen Zeit sehr, sehr hoch“.

Von gestiegenen Einsatzzahlen berichtete der Präsident des Landesverbandes der Wasserrettung, Markus Schimböck. Die Menschen wollten mehr in die Natur, wodurch sich auch mehr Unfälle ereigneten. Schwierig sei die Jugendarbeit – so habe man seit einem Jahr keinen Schwimmunterricht für Kinder anbieten können.

Der Einsatz am Ötscher sei „ein tolles Zeichen für ein intaktes Ehrenamt“ gewesen, meinte der Landesleiter des Bergrettungsdienstes, Matthias Cernusca. Die Einsatzzahlen der Bergrettung seien aufgrund der Corona-Pandemie „massiv gestiegen“, informierte er. Besondere Auswirkungen hat die Coronakrise auf die Ausbildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten der Mitglieder. „Denn gerade bei Blaulichtorganisationen muss jeder Handgriff sitzen, Fehler können sich dramatisch auswirken“

Ähnliche Herausforderungen sieht auch der Landesleiter des Landesverbandes für Höhlenrettung, Stephan Wolfram - viele Besprechungen und Abklärungen müssten nun online stattfinden, berichtete er. Dies finde auch Akzeptanz, könne aber die persönlichen Kontakte in keiner Art und Weise ersetzen - denn vieles kann nicht online geschult werden.

Die Landesgruppe Niederösterreich der Rettungshundebrigade habe die notwendigen Übungen auf ein Minimum reduziert, ein Nachteil sei auch die fehlende Ausbildung der Junghunde, meinte Landesleiter Rupert Lorenz in seiner Wortmeldung.

Der laufende Betrieb werde in kleineren Gruppen ausgeführt, berichtete die Geschäftsführerin der Rettungshunde Niederösterreich, Karin Kuhn. „Unsere Leute sind nach wie vor sehr motiviert“, zeigte sie sich überzeugt.

Die mangelnde Aus- und Weiterbildung ist in fast allen Bereichen ein wesentliches Thema „Wir werden uns gut überlegen müssen, wie wir den Fehlbestand – egal ob Erste-Hilfe-Kurse, Schwimmkurse für Kinder, Ausbildungen für Junghunde oder die Schulungen unserer Rettungskräfte aufarbeiten können – denn für doppelte oder Dreifache Kurskapazitäten nach der Pandemie fehlen uns die Ressourcen“ fasste Präsident Schimböck die Situation zusammen. Ähnlich beurteilen die Vertreter der Blaulichtorganisationen auch die Wichtigkeit von Ausbildungen für die Gewinnung neuer Vereinsmitglieder – erst einmal bei einem Kurs hineingeschnuppert, bleibt der eine oder andere dann auch bei der Hilfsorganisation als Mitglied dabei!

„Man spürt die Begeisterung und die Kraft, die in eurer Tätigkeit steckt“, betonte Landeshauptfrau Mikl-Leitner abschließend. Sie bat die Einsatzorganisationen „um Durchhaltefähigkeit“ in der gegenwärtigen Pandemie: „Und nach der Pandemie wird es wichtig sein, Danke zu sagen – an die gesamte Sicherheitsfamilie, aber auch an alle anderen, die einen Beitrag geleistet haben.“ Die Sicherheitsfamilie Niederösterreich funktioniere auch deshalb so gut, weil man sich schon lange kenne, schloss auch LH-Stellvertreter Pernkopf „mit einem herzlichen Dankeschön“.